Quellen
Primärquellen und wissenschaftliche Literatur, nach Kategorien gegliedert. Laufend überarbeitet, wenn neues Material hinzukommt.
Wo ein Dokument online verfügbar ist, wird direkt darauf verlinkt. Wo es offline oder hinter einer Bezahlschranke liegt, wird der Archivort genannt. Presseangaben nennen Blatt und Datum. Wissenschaftliche Werke werden bei Ersterwähnung vollständig zitiert.
Bundestagsdrucksachen
- Gesetzentwurf zur Errichtung des DHMG (zur Gründung der SFVV). BT-Drucksache 16/10571, 16. Wahlperiode.
- Antrag Bündnis 90/Die Grünen zur Erfüllung des Stiftungszwecks. BT-Drucksache 17/3064, September 2010.
- Kleine Anfrage der SPD, „Tatsächliche Mitgliederzahl des Bundes der Vertriebenen". BT-Drucksache 17/580, 27. Januar 2010.
- Kleine Anfrage Die Linke zu Bauzeiten und Ausstellungskonzept. BT-Drucksache 18/5085. Antwort der Bundesregierung: BT-Drucksache 18/5472. Bestätigte, dass die Ausstellung der Stiftungskonzeption von 2012 folgen werde.
- Stiftungsrat-Wahlvorschlag, 18. Wahlperiode. BT-Drucksache 18/5365.
- Stiftungsrat-Wahlvorschläge, 19. Wahlperiode. CDU/CSU-SPD: BT-Drucksache 19/20466. AfD (abgelehnt): BT-Drucksache 19/20467. BKM-Vorschläge: BT-Drucksache 19/20468.
- Koalitionsvertrag 2005 (CDU/CSU-SPD), „Gemeinsam für Deutschland. Mit Mut und Menschlichkeit", 11. November 2005. Enthält die Verpflichtung auf ein sichtbares Zeichen.
- Koalitionsvertrag 2025 (CDU/CSU-SPD), „Verantwortung für Deutschland". Enthält die Passage, die eine Überarbeitung der SFVV-Dauerausstellung sowie die Bündelung der Vertriebenen-Zuständigkeiten unter dem Innenministerium verlangt.
- Organisationserlass des Bundeskanzlers, Mai 2025. Verlagert die Aufsicht über die Stiftung vom BKM auf das BMI.
- Kleine Anfrage Bündnis 90/Die Grünen zur Übertragung auf das BMI. BT-Drucksache 21/3383. Antwort der Bundesregierung: BT-Drucksache 21/3639.
- Stiftungsrat-Wahlvorschläge, 21. Wahlperiode. CDU/CSU-SPD (Mayer, Willsch, Lindh): BT-Drucksache 21/1649. AfD (Gläser, Pauli; abgelehnt): BT-Drucksache 21/1650.
- Gesetz zur Errichtung einer Stiftung „Deutsches Historisches Museum" (DHMG), §§ 15–21. Regelt die SFVV als unselbständige Stiftung unter dem DHM.
BdV-Erklärungen und Pressemitteilungen
- BdV-Pressemitteilung, „Wichtiger Baustein der Erinnerungslandschaft in der Bundeshauptstadt wird eröffnet: Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung holt Vertreibungsschicksale aus dem Erinnerungsschatten", 21. Juni 2021.
- Spätere Rahmung der Ausstellung durch Stephan Mayer als „steril / hyperdidaktisch / unempathisch".
- BdV-Pressemitteilung zur Berufung Gundula Bavendamms als Direktorin der Stiftung, 2016.
- BdV-Erklärung zur Nichtverlängerung Gundula Bavendamms, November 2025. Es wurde keine öffentliche Erklärung abgegeben. Die erste öffentliche Positionierung des BdV zur Sache erfolgte im März 2026 (siehe unten) und rahmte die Nichtverlängerung als routinemäßige Personalentscheidung, wobei die mediale Berichterstattung über interne Stiftungsratsberatungen kritisiert wurde. Das Schweigen selbst entspricht der erklärten Haltung des BdV, Governance-Entscheidungen nicht über die Medien zu kommentieren.
- BdV-Präsident Stephan Mayer, „Auftrag der Stiftung in den Mittelpunkt stellen – Debatte versachlichen", 22. März 2026. Erste öffentliche BdV-Erklärung zur Nichtverlängerung Bavendamms, vier Monate nach der Entscheidung des Stiftungsrats. Rahmt die Nichtverlängerung als Maßnahme, den gesetzlichen Auftrag der Stiftung in den Vordergrund zu stellen. Kritisiert die öffentliche Diskussion interner Governance-Prozesse.
- BdV-Jahresbericht 2024. Beim Lobbyregister des Bundestages eingereicht.
- BdV-Jahresbericht 2023. Beim Lobbyregister des Bundestages eingereicht.
- Rede beim BdV-Jahresempfang 2025: die Heimatvertriebenen als die einzige Opfergruppe des Zweiten Weltkrieges, die ihren Status noch rechtfertigen müsse.
Stiftung und wissenschaftlicher Beirat
- Rücktritte der Beiratsmitglieder Troebst, Schwartz, Wildt, Madajczyk und Ruchniewicz, Juli 2015. Fünf Mitglieder traten nach der Wahl Winfrid Halders am 29. Juni 2015 einzeln zurück. Eine gemeinsame Erklärung wurde nicht veröffentlicht. Der gemeinsame Grund: Der Beirat war von einer wirksamen Beteiligung am Auswahlverfahren ausgeschlossen, und seine Mitglieder glaubten nicht mehr an eine Entpolitisierung der Stiftung.
- Mondtag, Ersan. Streit mit der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung über die beauftragte Performance und den Film „Heimweh, ich weiß nur nicht wonach", Februar 2021. Mondtag und sein Team wollten Zitate aus Björn Höckes Rede einbeziehen, in der dieser eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad forderte, um die rechtsradikale Instrumentalisierung des Vertreibungsthemas sichtbar zu machen. Die Stiftung verlangte, diese Zitate zu streichen. Im Dezember 2020 schrieb Mondtag an Kulturstaatsministerin Monika Grütters und sprach von Zensur. Der Streit wurde bei einem Treffen am 10. Februar 2021 mit einer gemeinsamen Erklärung beigelegt, in der der Abbruch der Zusammenarbeit beiden Seiten zugeschrieben wurde.
- Proteste des wissenschaftlichen Beirats, November 2025 und März 2026. Der Beirat protestierte im November 2025 einmütig gegen die Nichtverlängerung Bavendamms. Ein eigenes Dokument wurde nicht veröffentlicht; der Protest wurde intern übermittelt und von der FAZ berichtet. Im März 2026 drohte der Beirat mit geschlossener Rücknahme, falls Sven Oole berufen würde. Piotr Madajczyk warnte in einem Interview mit der Deutschen Welle, Ooles Berufung würde in Polen als Paradigmenwechsel und nicht als Personalwechsel wahrgenommen. Bundeskanzler Merz intervenierte, um die Berufung zu verhindern.
- Zusammensetzung des Stiftungsrats, aktuell und historisch.
Presse
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FAZ-Berichterstattung zur Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (alle kostenpflichtig):
- Kilb, Andreas. „Streit um Stiftung FVV: Vom Holocaust möchte man hier nichts mehr lesen." FAZ, 19. März 2026. Feuilleton / Debatten. Der zentrale FAZ-Beitrag zur Krise im März 2026, erschienen eine Woche vor der entscheidenden Stiftungsratssitzung. Einstieg: die politisch organisierten Nachfahren der Vertriebenen brechen den Pakt zwischen Gedenken und Verständigung. Eröffnet mit dem Zweifel am Vertretungsanspruch des BdV von 1,3 Millionen Mitgliedern, dem eine ddp-Umfrage rund eine halbe Million gegenüberstellt. Aus diesem Artikel stammt die Wikipedia-Zuschreibung „Die FAZ erkennt hierin den Versuch des BdV".
- Bavendamm-Interview, FAZ, ca. 23. Februar 2016. Enthält die zentrale Formulierung: Für das Gesamtwerk der Stiftung sei die deutsche Vertreibung nur ein Schwerpunkt, in der Dauerausstellung aber der Schwerpunkt.
- Berichterstattung zur Entlassung Kittels, FAZ, Dezember 2014.
- Besprechung der Ausstellungseröffnung, FAZ, Juni 2021.
- Berufung Borchers, FAZ, Ende März 2026. Von DIE STIFTUNG als Quelle bestätigt.
- Tagesspiegel. Christian Schröder, „Vertriebenen-Funktionär soll Chef werden: Ärger beim Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung", 29. März 2026.
- taz. Besprechung der Dauerausstellung, „Vertriebenenmuseum in Berlin eröffnet: Fallen vermieden, Irritation bleibt", 26. Juni 2021.
- taz. „Dokuzentrum Flucht und Vertreibung: Übernahme erfolgreich abgewehrt", März 2026. Berichtet, dass BdV-Präsident Bernd Fabritius 2024 einen Brief an Direktorin Bavendamm geschickt habe, in dem er verlangte, die Ausstellung dürfe den Zusammenhang zwischen dem NS-Vernichtungskrieg und der Vertreibung der Deutschen nicht mehr zeigen. Bestätigt außerdem die Oole-Kandidatur als Übernahmeversuch und das erklärte Ziel einer Überarbeitung der Dauerausstellung.
- Der Freitag. Ulrike Baureithel, „Deutsche wollen Opfer sein: Interessenskonflikt um die Vertriebenen-Darstellung", April 2026.
- Habermalz, Christiane. „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung: Rücktrittswelle auf der Baustelle." Deutschlandfunk Kultur, 30. Juni 2015. Berichtet die Beirats-Rücktritte, den Streit um „der/ein Schwerpunkt", Ruchniewiczs Aussage, der Beirat sei „keine Filiale des BdV", und Madajczyks schriftliche Begründung.
- Schoger, Christian. „Winfried Halder neuer Direktor der Vertriebenen-Stiftung." Siebenbürger Zeitung, 8. Juli 2015. Berichtet die Stiftungsratsentscheidung, die Reaktion des BdV-Präsidenten Fabritius, der Troebst interne Kommunikationsfehler vorwarf, und die Formulierung im Gründungsauftrag der Stiftung zur deutschen Vertreibung als „Hauptakzent".
- DIE STIFTUNG. „Neuer Direktor für Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung", April 2026.
- Bundestag hib. Kurzmeldung 1139134 zur Übertragung der Stiftungsaufsicht auf das Innenministerium.
Wissenschaftliche Literatur
- Salzborn, Samuel. Grenzenlose Heimat: Geschichtspolitik, Demokratiefeindschaft und die extreme Rechte in Deutschland. Elefanten Press, Berlin, 2001. Siehe auch: Salzborn, „The German Myth of a Victim Nation: (Re-)presenting Germans as Victims in the New Debate on their Flight and Expulsion from Eastern Europe", in Nationen und ihre Selbstbilder, hrsg. Pelinka und Wodak, 2002.
- Troebst, Stefan. „The Discourse on Forced Migration and European Culture of Remembrance." Hungarian Historical Review 1, Nr. 3–4 (2012): 395–412.
- Troebst, Stefan. „Towards a European Memory of Forced Migration? Processes of Institutionalization and Musealization in Germany and Poland." In Vertriebene and Pieds-Noirs in Postwar Germany and France, S. 233–251. Palgrave Macmillan, 2016.
- Douglas, R. M. Orderly and Humane: The Expulsion of the Germans After the Second World War. Yale University Press, 2012.
- Assmann, Aleida. Der lange Schatten der Vergangenheit: Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. C.H. Beck, München, 2006. Ihr zentrales Werk zur deutschen Erinnerungspolitik. Siehe auch Cultural Memory and Western Civilization: Functions, Media, Archives, Cambridge University Press, 2011.
- Rothberg, Michael. Multidirectional Memory: Remembering the Holocaust in the Age of Decolonization. Stanford University Press, 2009.
- Becker, Matthias. Geschichtspolitik in der „Berliner Republik". Springer VS, Wiesbaden, 2013. Kapitel 5 behandelt die Debatte um das Zentrum gegen Vertreibungen, 1998–2005.
- Schenck, Marcia C. Kapitel in Navigating Socialist Encounters (De Gruyter, 2021) und The Social Life of Socialism (Springer, 2023).
- „Deutscher Opferdiskurs und europäische Erinnerung." Zeitgeschichte-online.
- Grünter, Marie. „Welche Geschichte von Flucht, Vertreibung und Versöhnung?" Erinnerungskulturen (Blog), 24. Juli 2015, aktualisiert am 30. November 2021. Wissenschaftliche Analyse der Beirats-Rücktritte 2015, der strukturellen Dominanz des BdV durch sechs Stiftungsratssitze, Steinbachs Behauptung, der Richtungsstreit sei entschieden, und der Unmöglichkeit, Personal- und Inhaltsentscheidungen voneinander zu trennen.
Film
- Maghout, Jalal, mit Alexander Lahl und Mike Plitt. Hier oben, bei den weißen Göttern. Animationskurzfilm, 2020. Beruht auf Interviews mit mosambikanischen Vertragsarbeitern und auf der Ermordung Manuel Diegos. Von der FBW als „besonders wertvoll" ausgezeichnet.
Oral History und Community-Dokumentation
- Alberto, Ibraimo. „35 years as a Mozambican immigrant in Germany." Al Jazeera, 22. Juni 2017. Zeugnis zu mosambikanischen Vertragsarbeitern in der DDR, einschließlich der Ermordung Manuel Diegos.
- Alberto, Ibraimo. Zeugnis zur Ermordung Manuel Diegos, 1986. Primärschilderung im oben zitierten Al-Jazeera-Beitrag.
- Bialas, Gregor. „Schwarze Haut – Weißer Hass: Die Geschichte der Familie Pilima." ZDF 37 Grad, 2007. Dokumentarfilm über Paulino Pilima, früheren Vertragsarbeiter, und die anhaltenden neonazistischen Angriffe auf seine Familie in Liebstadt, Sachsen.
- „African Experiences in East Germany Are Erased but Not Forgotten." New Lines Magazine, 27. Oktober 2023. Berichterstattung zu den madgermanes und ihrem wöchentlichen Protest in Maputo.
- „Death of Jorge Gomondai." CPPD Network.
Historischer Kontext
- Bilaterale Arbeitsabkommen zwischen der DDR und Mosambik, Vietnam, Angola, Kuba.
- „Contract worker in the GDR." DOMiD. Überblick über 192.000+ ausländische Staatsangehörige in der DDR, Lohnvorenthaltung, Vergleich mit Schuldknechtschaft.
- „Crossing Borders behind the Iron Curtain." Rosa Luxemburg Stiftung, 19. Oktober 2021. Interview mit Dokumentarfilmerinnen über Vertragsarbeiter-Verhältnisse und DDR-Terminologie.
- Schenck, Marcia C. „Contract Workers in East Germany." Kapitel 5 von The Social Life of Socialism. Springer, 2023.
- Akten des Reichsarbeitsministeriums zum Standort Deutschlandhaus.
- Bundestag NSU-Untersuchungsausschuss, 1. UA, 17. Wahlperiode (2012–2013): Abschlussbericht, BT-Drucksache 17/14600. Bundestag NSU-Untersuchungsausschuss, 2. UA, 18. Wahlperiode (2015–2017): Abschlussbericht, BT-Drucksache 18/12950.